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Radreise durch Island 2010

Die Planung:

Nach dem Lesen mehrerer Islandbücher und tagelanger Recherche, buchen wir endlich den Flug nach Island und den Parkplatz in Flughafennähe.
Bereits 2 Tage später sollte, das eher unbekannte Island, in aller Munde sein.
Am 20.03.2010 brach nämlich der Vulkan Eyjafjallajöküll aus und seine riesige Aschewolke beeinträchtigte einen Tag später den gesamten Flugverkehr enorm.
Egal !! The show must go on.
Bis zum Reisebeginn am 5.08.2010 gibt´s noch viel zu tun.
Die Räder werden noch mal überholt und die Campingausstattung wird komplettiert.

Mein Sohn Christopher kann leider nicht mit uns nach Island, er verbringt ein Schuljahr in Kanada.

Die Route:

per Rad zurückgelegte Strecke: 800km

 

Tag der Abreise:

Ich zerlege die Fahrräder und verpacke sie in Radkartons.
Da die obere Gewichtsgrenze des Sperrgepäcks bei 30kg liegt, kommen Zelt, Schlafsäcke und Isomatten gleich mit rein.
Grit packt indess die Radtaschen.

Nachmittags fahren wir los.
Per Auto geht´s nach Berlin Tegel. Wir checken das Gepäck ein und fahren dann mit leerem Auto zum vorgebuchten Parkplatz.
Dort müssen wir nur noch den Shuttlebusfahrer anrufen, der uns zurück zum Flughafen bringt. Aber mit was anrufen, wenn man ganz intelligent, das Handy bereits eingecheckt
hat ?? Eine nette Dame leiht uns kurz Ihr Handy und der Transfer ist gerettet.
Die restliche Zeit bis zum Abflug vergeht wie im Flug.
22.45 Uhr geht´s in die Lüfte.

2.20 Uhr (Ortszeit 0.20 Uhr) landen wir im lang ersehnten Island.
Schnell haben wir unser Gepäck unversehrt beisammen, … und jetzt ?!
Zufällig entdeckt Grit den Shuttlebus zum Travel-Center ALEX, von dem wir schon im Internet gelesen hatten. Der freundliche Fahrer nimmt uns und unser ganzes Gepäck mit.
Den Rest der ersten Nacht verbringen wir dann in der Mannschaftsunterkunft.
Wir wollen nur noch schlafen !!

1. Tag in Island / Freitag

(63km per Rad von Keflavik bis 10km hinter Reykjavik)

Wir haben toll geschlafen. Aber 8.15 Uhr hält uns nichts mehr im Bett, jetzt soll´s endlich losgehen.
Draußen sind 13°C, Wind und Nieselregen (wir werden uns dran gewöhnen müssen).
Schnell sind die Räder zusammengebaut und beladen. Die Radkartons packen wir in den Abstellraum, schließlich brauchen wir sie am Ende der Reise wieder.

Beim Frühstück bekommen wir ein paar Tipps von zwei Schweizern, die ebenfalls mit dem Rad durch Island unterwegs waren.
Sie schenken uns auch Ihr restliches Toastbrot, wir haben ja noch keine isländischen Kronen zum einkaufen.
Auf einer „Autobahn“ mit wenig Verkehr radeln wir in Richtung Reykjavik.
Kilometerlang geht´s nur geradeaus, links und rechts sieht man …nichts.
Naja, außer Lava, Bodendeckern, Moos und Pilzen.

(Tipp: die Strecke kann man sich ersparen)
Als wir die ersten Häuser sehen, glauben wir in Reykjavik angekommen zu sein. Aber es war nur ein `Vorort`. Wir verlassen die langweilige Fernstraße und radeln planlos durch endlose Wohnsiedlungen. Da wir nicht in der Stadt zelten wollen, sollten wir langsam die Ringstraße A1 finden.
Aber auch nach einer Stunde ratlosen abbiegen und Karte deuten, sind wir immer noch nicht am Ziel. Zumindest haben wir inzwischen Geld tauschen können und kaufen Lebensmittel ein. Im Vorraum des Supermarktes essen wir „gemütlich Mittag“. Erst eine Stunde später haben wir endlich die Ringstraße gefunden und strampeln noch weitere 10km aus Reykjavik raus.

Nach 63km (inzwischen ist es 19Uhr) haben wir keine Lust mehr.
Ein schöner aussichtsreicher Zeltplatz auf einem Hügel ist schnell gefunden.
Und den Zeltaufbau schaffen wir sogar noch im Trockenem.

In der Nacht wird´s plötzlich stürmisch und das Zelt biegt sich ordentlich.
Fazit: Ab jetzt zelten wir nur noch windgeschützt.

2.Tag in Island / Samstag

(62km per Rad von Reykjavik bis 13km über Selfoss)

Die ganze Nacht hat es gestürmt und geregnet.
Als 8.30Uhr der Regen endlich aufhört und sogar Sonnenstrahlen das Zelt erhellen, fangen wir an zu packen.
Wir bekommen das Zelt gerade so trocken in die Tasche, als es wieder anfängt zu regnen.
Nein, eigentlich zu schütten !!!

Es schüttet, ist kalt (ca. 10°C, gefühlte 2°C) und zum fahren bleibt für uns nur ein schmaler Randstreifen.
Warum tut man sich so was an ??
Genau deshalb !! Wir sehen die Erde dampfen, Risse in den kilometerweiten Lavafeldern und sanfte Berge. Toll !!
Der Ringstraße entlang radeln wir bis Hveragerdi.

  • 60% aller Gewächshauserträge Island´s kommen aus Hveragerdi.
    50 000m² des Ortes sind von den Glashäusern bedeckt,
    und alles wird von den heißen Quellen beheizt.

Von weitem sind schon viele dieser Quellen sichtbar. Also beschließen wir in die Richtung der Dampfsäulen zu fahren, vielleicht können wir uns ja ein warmes Bad im Freien gönnen.


Als wir die Quellen endlich erreichen, ist das Schauspiel schon beeindruckend.

Es dampft, brodelt und blubbert aus mehreren Erdlöchern, und der Schwefelgeruch nach faulen Eiern liegt schwer in der Luft.
Aus dem erträumten Bad wird aber heute nichts mehr, denn der Dauerregen hat den Pfad zu den ca. 1,5 Std. entfernten Hotpots so aufgeweicht, dass wir uns das nicht antun.

Trotz stärker werdenem Regen wollen wir weiter.
Nach einem kurzen Abstecher im Ort, zu einer „Strongest Man“-Vorführung, folgen wir weiter der Ringstraße in Richtung Selfoss.
Kurz vor Selfoss biegen wir nach links ab, auf die Straße 35 und später auf die Straße 36.

Die Landschaft wird hier hügeliger, schöner, aber vor allem grüner. Es gibt sogar etwas Wald.
Zwischen den sanften Hügeln verstecken sich die hübschen kleinen Häuser fast komplett.
Nur schmale, verschlungene Wege führen zu ihnen.

Das Wetter hat sich auch beruhigt, aber wir sind trotzdem naß und durchgefroren.
Zum Zelten finden wir zum Glück schnell ein schönes (windgeschütztes) Plätzchen an einem Bach. Nur eine halbe Stunde nach dem Abendbrot, schlafen wir dann auch ruck-zuck ein.

 

3.Tag in Island / Sonntag

(57km per Rad über Pingvellir nach Laugarvatn)

Die Sonne hat uns wieder !!
Bei Sonnenschein steigt man mit einer ganz anderen Laune auf's Rad.
Wir werden mit tollen Aussichten und Landschaften belohnt.

Traumhaft !!
Während der Fahrt finden wir massenhaft Birkenpilze am Straßenrand, mit denen wir uns für´s Abendbrot kräftig eindecken.

Unser nächstes touristisches Ziel ist Pingvellir.
Im Nationalpark Pingvellir kann man deutlich die tektonischen Risse zwischen den Kontinentalplatten (Europa und Amerika) sehen.
An manchen Stellen kann man sogar auf beiden Kontinenten gleichzeitig stehen.

• Pingvellir und die "Allmänner-Schlucht" ist Island´s geschichtlich bedeutendster Ort. Bereits 1928 wurde es Nationalpark und 2004 sogar Unesco-Welterbe.
• Hier wurde 930 der Freistaat Island ausgerufen, 1944 wurde hier die Republik Island gegründet und auch Gerichtsurteile wurden hier gefällt.
• Messungen haben ergeben, daß hier die beiden Kontinentalplatten jährlich 8mm auseinander wandern und die Schluchten sich auch um 8mm pro Jahr senken.

Die Rabenschlucht und die Kirche von Pingvellir.

Trotz aller geschichtlicher Bedeutsamkeit des Ortes, hier sind uns zu viele Touristen, und so beschließen wir, weiter zu radeln.

Ich fülle den Wasservorrat auf.

Wir verlassen nun den touristischen "Goldenen Ring" (Reykjavik- Hveragerdi- Pingvellir)
und leider auch die schöne Teerstraße.


Auf der Straße 365 geht es gleich mal 5km nur bergan und jedes, der gottseidank nur wenigen Autos, staubt uns ordentlich ein.
In den riesigen Lavafeldern neben der Straße, haben sich imposante Gräben und Höhlen gebildet.
Auf der Hochebene geht es Kilometerlang auf und ab und wir träumen schon von der hoffentlich langen Talfahrt. Aber als diese endlich erreicht ist, ist zwar der Ausblick toll, aber die "Schlaglochpiste" umso schlechter.
Auf der Hochebene können wir aber sogar wilde Islandpferde beobachten.

Der Blick auf den Laugarvatn ist toll, aber jetzt freuen wir uns auch mächtig auf unser erstes warmes Abendessen auf dem Zeltplatz!!
Es soll selbstgesammelte Pilze und Nudeln geben.
Auf dem Zeltplatz Laugarvatn gibt es heißes Schwefelwasser aus dem Wasserhahn und wir beschließen zu testen, ob das wirklich geniesbar ist. Das würde schließlich Gas zum Kochen sparen. Bei den Nudeln funktioniert das ganze auch, aber der Kaffee ist abartig ekelig !!

4.Tag in Island / Montag

(57km per Rad über Geysir bis 15km hinter Gullfoss)

Es ist ein herrlicher Tag mit Sonnenschein und angenehmer Wärme.

Wir starten 10.30 Uhr, als letzte von 4 Radlerpärchen (Deutsche, Schweizer und Americaner).
Heute haben wir alle das gleiche Ziel, die Geysire und Gullfoss "Der goldene Wasserfall".
Ich entdecke ca. 300m rechts neben der Straße Qualmschwaden. Es ist ein heißer Bach.
Wir sehen uns im Geiste schon im warmen Wasser baden !!

Aber das Wasser im Bach ist so heiß, daß man sich die Füße verbrühen könnte und nur 10cm in Richtung des eisigen Flusses ist das Wasser schon kalt.
Also nix mit baden, aber für ein Fußbad reicht`s.

In der Bachmitte hat sich dunkelgelber Schwefel abgelagert.
An der Strecke liegen mehrere Dörfer (alles mit mehr als 2 Häusern sind hier Dörfer), aber leider gibt es nirgends einen Laden.


Geysir ist ein größerer Ort, also hoffen wir dort auf eine Möglichkeit "Futter" zu kaufen. Wir kommen dem Hochland immer näher und müssen uns vorher noch mit Vorräten eindecken.

Geysir !!

Schon von weitem sehen wir immer wieder, die bis zu 20m hohe Fontäne des Geysir Strokkur emporschießen.

Es brodelt, blubbert und zischt in jeder Ecke auf einer Fläche von 3km².


Das Thermalgebiet beeindruckt mit vielen kleinen heißen Quellen, türkisblauen und roten HotPot's, tollen Sinterstrukturen und zwei großen Geysiren.
(Der aktive Geysir Strokkur und der zur Zeit inaktive "Große Geysir")

Die Fotoapparate im Anschlag
und dann ...
warten auf den Ausbruch des Strokkur.

In unregelmäßigen Abständen bildet sich eine, mit Luft und Dampf gefüllt Wasserglocke über dem 2m großen Schacht. Diese bricht dann plötzlich auf und die heiße Fontäne schießt mit einem zischenden Geräusch empor.

Hier sieht man den 14m großen Sinterkrater des "Großen Geysir"

Als wir wieder weiterfahren wollen, starten gerade auch die zwei Amerikaner.
Wir haben natürlich das gleiche nächste Ziel: Gullfoss - "Der Goldene Wasserfall"

Die Berge und der Gletscher im Hintergrund verraten uns schon ein bisschen was uns bald erwartet.

Nur 5km von Geysir entfernt, liegt der Wasserfall Gullfoss.
Der Gletscherfluß Hvita stützt in zwei Stufen, jeweils im 90°-Winkel versetzt, insgesamt 32m in die Tiefe. Die erste Stufe ist 11m hoch und die zweite 21m.

Über ca. 10 000 Jahre hat sich der Fluß auf 3-4km Länge eine 70m tiefe Schlucht gegraben.
Im Sprühregen des Wasserfalls leuchten wunderschöne Regenbogen.

Hier wäre für die nächsten 200km die letzte Möglichkeit zum einkaufen, wenn hier ein Supermarkt wäre. Und zu allem Unglück ist unser letztes Brot durch eine beschädigte Getränkedose `abgesoffen`.
Also fragen wir die Amerikaner, ob sie etwas Brot für uns hätten.
Die Antwort von Thed: "Hey Bob, the Germans are low on food. We will cook for you. We have enough to feed a company."

Wir machen uns einen Treffpunkt zum Zelten und Abendessen aus.

Auf der Straße 35 (Kjalvegur) geht´s jetzt ins Hochland.
Die bulligen Fahrzeuge, die uns entgegen-kommen, machen uns etwas Angst.

Die Gletscherflüsse sehen zwar milchig-dreckig aus, aber das Wasser schmeckt gut (enthält ja schließlich gesunde Mineralien)

Die Straße wird immer schlechter, aber der Ausblick ist grandios.

Unser verabredeter "Zeltplatz" mit fließendem Wasser.
Bob und Thed sind kulinarisch perfekt ausgerüstet. Es gibt Reis mit Ei, roten Bohnen und selbst gesammelten Pilzen. Lecker !!

Bad mit Ausblick Eisigkalt, aber herrlich !!!


5.Tag in Island / Dienstag

(47km per Rad 15km nach Gullfoss bis 30km vor Kjölur)

Der Morgennebel verzieht sich schnell und macht der Sonne den Weg frei.
Thed macht uns den restlichen Reis mit Eiern zum Frühstück.
Er ist wie ´ne Mama zu uns, der Gute.

Gleich früh erstmal 7km bergan zum Blàfell.

Blick von Blàfell (1204m).
Wir sind etwa auf ca. 700-750m Höhe.

Blick auf den 30km² großen Hvitavatn, der an der tiefsten Stelle 84m tief ist.

Eine Gletschezunge des Langjökull ragt bis in den See hinein.

Die Straße wird immer schlechter, so daß teilweise sogar bergab schieben besser ist.

Links und rechts Gletscher, dazwischen endlose, kilometerweite Geröllwüste.
Die `Straße` ist beschi... !!
Unser Fahrgeschwindigkeit liegt im Durchschnitt bei 6 bis 9km/h.

Überall Geröll und Lavabrocken, aber man kann sich an der Landschaft nicht satt sehen.

Da wir dringend Wasser brauchen, müssen wir zum Übernachten den nächsten Bach erreichen.
18.30 Uhr, aber nach nur 47km ist Finale. Grit ist fix und fertig.
Aber der Zeltplatz entschädigt für Alles !!

Unsere kleine Oase mit vielen Quellen.
Grit wäscht Wäsche und ich koche Käsenudeln mit Schinken. Ein Genuß !!

Am Abend bringt uns irgend so ein Laufvogel um den Verstand. Statt schön zu zwitschern, kann dieser doofe Vogel nur einen Ton und den pfeifft er aller 5 Sekunden.
Aber als die Dämmerung hereinbricht ist nur noch Stille angesagt. Man hört nichts !!
Kein Auto, kein Mensch, kein Tier, nur den Wind ... naja und vielleicht unser schnarchen.

6.Tag in Island / Mittwoch

(41km per Rad von 30km vor Hveravellir bis 11km hinter Hverav.)

Nach einer Katzenwäsche im eisigen Quellwasser verabschieden wir uns 10.30 Uhr von unserem idyllischen Plätzchen.
Frühstück gibt`s leider nicht, denn ... wir sind völlig abgebrannt.

.. soviel zum Thema Straße !!

Eigentlich war unser nächstes Zwischenziel der Hügel "Beinahöll", an dem 1780 mehrere Menschen und Tiere erfroren waren und immernoch zahlreiche Tierknochen dort herumliegen.
Aber als der Wegweiser uns den Abzweig anzeigt, ist nichtmal ein Pfad zu sehen.
Das tun wir uns nicht an !!

Geirsalda (672m)

Erst als wir ganz nah an dem Thermalgebiet Hveravellir sind, sehen wir die Dampfwolken.
Das Naturschutzgebiet umfasst ca. 170 ha mit 20 großen und zahlreichen kleinen Quellen.

Öskurhòlshver "Quelle des Brüllhügels"
Ein ein Meter hoher, pfeiffender Hügel mit über 90°C Wasserdampf.

Hier gibt es gottseidank eine kleine Imbiss, in der wir uns mit fertigen Sandwiches und einer Packung Keksen eindecken können.
Inclusive zwei Kaffee sind wir so aber auch 4200 ISK bzw. 28,57 € leichter.

Endlich können wir ein lang ersehntes warmes Bad nehmen. Und das geniesen wir bei diesem Götterwetter ausgiebig !
Dem heißen Quellwasser wird ständig kaltes Wasser beigemischt und so haben wir eine Badetemperatur von ca. 40°C.

Doch alle Freuden haben ein Ende.
Am Nachmittag lassen wir die wunderschöne Oase hinter uns und holpern weiter durch die karge Steinwüste.

Wir haben noch nicht mal die Hälfte der Hochlandstrecke weg ?!

Weit kommen wir allerdings nicht mehr.
Es kommt plötzlich Wind auf. Natürlich kein Rückenwind, sondern starker Wind von links, so daß es einem das Vorderrad seitlich wegsetzt.
Nach nur 11 km ist Schluß und wir stellen das Zelt in der nächstbesten, windgeschützten Senke auf. Hier haben wir zwar kein Wasser in der Nähe, aber wir sind eh völlig k.o..
Zum Abendessen gibt es für jeden 1/2 Sandwich und 1/2 Paprika.

Heute gibt`s auch kein Foto vom Zeltplatz, hab keinen Bock mehr !!

7.Tag in Island / Donnerstag

(49km per Rad von 11km hinter Hverav. bis Adalmannsvatn)

Der Wind hat uns über Nacht den Regen wiedergebracht. Danke !!
Bis zum Mittag lauern wir im Zelt auf trockeneres Wetter.
Erst als wir alles (sogar fast trocken) eingepackt haben, gönnen wir uns ein kleines Mittagessen. 1/2 Sandwich für jeden muß aber reichen, man weiß ja nie, was wir noch brauchen werden.

Zum Glück wird die Straße wieder besser, so daß wir ganz gut voran kommen.
Nach 2 1/2 Stunden haben wir schon 20 km geschafft.
Als wir den Ausblick auf den Blöndulon-See geniesen, entdecken wir eine Containerhütte am Fuß des Afangafell-Berges.
Voller Vorfreude auf einen heißen Kaffee, radeln wir hin.


Die Inhaber der Gästeunterkunft, in der wir pausieren, essen gerade Mittag. Es gibt Walfleisch.
Freundlich bieten sie uns eine Kostprobe an, die wir natürlich dankend annehmen.
Es schmeckt wir zartes Rindfleisch !

Auf Empfehlung der Isländerfamilie verlassen wir die Straße 35 und folgen der noch weniger befahrenen F756.
Über zwei Staustufen radeln wir am Stausee entlang, strampeln bergauf-bergab über bemooste Lavafelder und sammeln massenweise Pilze für´s Abendessen.

Auf der Strecke treffen wir 5 Jeeps mit MTK-Kennzeichen. Das weckt Heimatgefühle.

Penibel teile ich das restliche Essen ein. Trotz großem Appetits gibt´s kein Gramm mehr.

Unser Übernachtungsziel ist der Adalmannsvatn, an dem wir dann auch einen tollen Platz zum Zelten finden.
Ich koche scharfe Taisuppe mit Pilzen und Grit wäscht wiedermal Wäsche.

Nachts haben wir Temperaturen um die 5°C.
Also packen wir uns wie die Eskimos ein, um überhaupt schlafen zu können.
In der Nacht beginnt es auch wieder zu regnen.

Außerdem träumen wir schon vom Essen.
Sobald wir wieder einkaufen können, kaufe ich mir
einen schönen, saftigen, großen Apfel und .......

8.Tag in Island / Freitag

(66km per Rad vom Adalmannsvatn bis 20km hinter Varmahlid)

Wieder läßt uns der Regen im Zelt ausharren, bis er 11.30Uhr endlich nachläßt.
In Regenkleidung eingemummelt, kämpfen wir uns 13km hoch und runter über völlig aufgeweichte Wege. Der Schlamm spritzt über die Hinterreifen bis hoch zum Jackenkragen.
Jetzt, wo wir bald wieder in die Zivilisation zurückkehren, sehen wir aus wie die Schweine. Klasse !!

Plötzlich eröffnet sich der Blick in einen großen Taleinschnitt. Mitten auf dem Weg befindet sich ein Tor, das den frei laufenden Tieren den Zugang zum Tal versperren soll. Wir öffnen das Tor und rollen talwärts.

Auf halber Strecke kommen uns 5 Reiter mit einer Herde Islandpferden entgegen. Ca. 60 Pferde galoppieren an uns vorbei. Ein fantastischer Anblick.

Die Pferde haben vor den Rädern Angst und weichen uns teilweise aus.

Wir geniesen die 18km lange Abfahrt. Leider ist es sehr trüb, der Talblick wäre sicherlich toll gewesen.

Nach 44 Tageskilometern erreichen wir die Teerstraße, Varmahlid und den Tankstellenshop in Varmahlid.

Dort kaufen wir Lebensmittel, Getränke ... und natürlich den erträumten großen Apfel.
In der Touristinfo nutzen wir die Möglichkeit eine email nach Hause zu schreiben.

Ein typisch isländisches Dorf (rechts Grassodenhäuser).

22km hinter Varmahlid entdecken wir wiedermal ´ne schöne Stelle zum zelten.

Am weitläufigen Mündungsdelta des Héradsvötn zelten wir auf der Wiese.
Wie immer teilen wir die täglichen "Hausarbeiten" untereinander auf, das heißt:
Ich koche (Spaghetti mit Broccolisuppen-Pizzasauce) und Grit wäscht Wäsche (die, wie fast immer, sowieso nicht trocken wird).

9.Tag in Island / Samstag

(74km per Rad von 20km hinter Varmahlid bis Akureyri)

Bei wolkenverhangenem Himmel, starten wir 10 Uhr in Richtung Akureyri.
Auf der Ringstraße 1 wollen wir heute unbedingt den Zeltplatz in Akureyri erreichen, um endlich mal wieder duschen zu können.
Im Taleinschnitt zwischen den 1100 bis 1400m hohen Bergen geht´s gleich erstmal 13km bergan.

Ein süßer Hund begleitet erst zwei Schweizer Radler über ca. 4km und dann uns wieder zurück.

An der höchsten Stelle (auf 540m Höhe) legen wir eine Mittagspause ein.
Die Räder dienten zwischenzeitlich als Wäschetrockner.
Prompt fängt es wieder an mit nieseln. Womit haben wir nur dieses Wetter verdient !?
Es ist nicht nur naß, sondern auch kalt (12°C).

Wäre Sonnenschein, könnten wir die Berge mit den vielen, ins Tal stürzenden Bächen, bestimmt mehr geniesen.

Freude, Freude !!!!! Es geht bergab !!!!!

Zwischenstop mit Blick auf schroffe Bergspitzen.
Sonst sind die Berge eher sanft, wie auf einer bestimmten Höhe abgeschnitten.

Die letzten 15km geht´s fast eben dahin und nach einem letzten, kurzen straffen Anstieg liegt Akureyri in Sichtnähe.
Wir decken uns wieder mit frischen Birkenpilzen ein.

Unser Zelt ist schnell auf dem Zeltplatz mitten in der Stadt aufgebaut. Und dann heißt es: "Cooking like Texas-Thed !!" (Reis, Pilze und Eier)

Nach dem Großeinkauf im Supermarkt und dem Abendessen machen wir einen Stadtbummel.
... zu Fuß !!

Die Ampeln sind klasse !! ... Herzchen ...
Da freut man sich auf jede rote Ampel.

Über der Hafenbucht trohnt die Akureyrarkirkja. Die Kirche von Akureyri.

Wir geniesen die Abendstimmung im Hafen und die lebendige Einkaufspassage der Stadt.

Neben den "Panzerfahrzeugen" aus dem Hochland sehen normale Autos wie Spielzeug aus.

Grit auf der Freitreppe vor der Akureyri-Kirche (zu beachten: das Foto entstand 21.50Uhr und es war taghell)

Den Tag lassen wir vor dem Zelt mit einem Light-Bier und Salzstangen ausklingen.

10.Tag in Island / Sonntag

(57km per Rad von Akureyri bis Godafoss)

Es schifft mal wieder !! Aber es nützt nichts, 11Uhr geht´s wieder auf´s Rad.
Wir kämpfen uns bei starkem Seitenwind über die Hafenmole. Von der Gegenseite aus, hat man einen schönen Blick zurück auf die Hafenstadt.

Zwischendurch ´ne Milch zur Stärkung !!

Hier wohnt der Weihnachtsmann !!!

18km leicht bergig auf + ab, dann 5 km ordentlich steil bergauf und 3km oben entlang.

Als es dann endlich wieder den Berg runter geht, haben wir nur noch Gegenwind und Regen.
Die Landschaft kann unsere Laune leider auch nicht steigern, ...
Wir haben die Schnauze vom radeln im kalten Regen voll !!

Godafoss – „Der Götterfall“

Eigentlich war unser Tagesziel die heißen Quellen von Laugar, aber das Wetter ist so furchtbar, daß wir uns auf Godafoss als Ziel einigen.
In einiger Entfernung sehen wir den "Götterfall" schon und biegen nach rechts in Richtung Wasserfall. Leider war es ein Seitenweg zu zeitig.
Wir bemerken unseren Fehler nach ca. 500m, aber die 500m auf diesem Schlammweg haben gereicht, uns von oben bis unten einzusauen.
Bis auf die Socken durchgeweicht und dreckig, stehen wir am Wasserfall.

Direkt neben dem Wasserfall ist ein Zeltplatz. -> Wir bleiben hier !!
Sobald das Zelt stand, wurde auch das Wetter besser und wir genossen noch die schöne Abendsonne.

Erst schlecken wir ein leckeres Milcheis, dann wird der Rest erledigt !!
... Räder, Gepäcktaschen und Wäsche waschen, danach das Abendbrot vorbereiten.

In der Abendsonne spazieren wir nochmal zum nah gelegenen Wasserfall.

Ein schöner Abend geht zu Ende.
Der krönende Abschluß ist eine warme Dusche im Freiluftschuppen. Danach fühlt man sich wie ein König.


11.Tag in Island / Montag

(54km per Rad vom Godafoss nach Reykjahlid am Myvatn)

Nicht schon wieder Regen !!!
12Uhr: In einer kurzen trockenen Phase können wir endlich aufbrechen.

Noch schnell so ein leckeres Eis, ein kurzer Blick zurück und schon geht´s den nächsten Berg rauf. Bereits nach einer halben Stunde Fahrt, weicht uns der Regen wiedermal richtig ein und das alles bei 12°C und kaltem Wind.

Bei einer kleinen Kekspause fachsimpeln wir mit einem Liegeradfahrer.
Er gibt uns Tipps, was wir uns im Myvatngebiet unbedingt ansehen sollten.

"Sorry, kleines Schaf. Wir können dich leider nicht mitnehmen, wir sind schon voll bepackt!!"

Kurz vor dem Myvatn-See biegen wir nach links auf die Straße 848.
Zum starken Regen kommt jetzt noch extremer Seitenwind und kaum Sicht, auf den eigentlich sehenswerten Kratersee Myvatn.

Unser "Endziel" ist erreicht. Hier wollen wir 2 Nächte bleiben und die Gegend erkunden, bis wir uns auf die Rückreise per Bus begeben.

Die Kirche von Reykjahlid
Beim Vulkanausbruch im August 1729 erreichten große Lavaströme das Ufer des Myvatn und zerstörten die Höfe Gröf und Fagranes. Die Kirche aber wurde nur von der Lava umflossen und blieb so verschont. Man glaubte lange an göttliche Fügung.

Der Zeltplatz bietet eine tolle Sicht über die riesigen, zerklüfteten Lavafelder.
Im Kochzelt kochen wir uns Spaghetti mit Chilibohnen. Eine Horde französischer Schüler und ein Radlerpärchen aus Tübingen kochen mit uns.


12.Tag in Island / Dienstag

(31km per Rad im südlichen Myvatngebiet)

Es hat die ganze Nacht geregnet und die Wäsche das 3. mal eingeweicht.
Erst als wir im Kochzelt frühstücken, hört es auf zu regnen, aber es ist immernoch ziemlich diesig.

Mit entlastetem Fahrrad machen wir uns auf den Weg zum nah gelegenem Solfatarenfeld Námaskard.
Vorbei am Dampfkraftwerk Bjarnarflag, geht´s über einen kleinen Bergpass.

Oben vom Berg Nàmafjall (482m) hat man einen tollen Blick zurück auf den Myvatn. Leider ist die Fernsicht nicht so super.

Der Rundweg im Thermalgebiet war durch den Dauerregen völlig aufgeweicht. Der Schlamm klebt wie Lehm an den Fahrrädern und an den Schuhen. Die Räder müssen wir nach ein paar Metern am Wegrand zurücklassen, denn wir kommen kaum vorwärts, da sich die Räder vor Dreck nicht mehr drehen .

Die brodelnden Schlammbecken haben Temperaturen bis zu 100°C.

Nach dem ausgiebigen waschen der Fahrräder und Schuhe, rollen wir zurück ins Tal.
Entlang der tektonischen Plattenspalten Grjótagjá und Stóragjá haben sich kleine Höhlen und Schluchten gebildet. Einige der unterirdischen Höhlen haben heiße Grundwasserseen.

Seit dem Vulkanausbruch 1977, und der damit verbundenen Magmaeindringung in die Plattenspalten, haben die unterirdischen Seen Wassertemperaturen von 40 bis 60°C. Für ein Fußbad ist das gerade noch okay.

Nächster Programmpunkt: Dimmuborgir (Die dunklen Burgen)

Auf 4km² kann man die 2000 Jahre alte Anlage mit verwunschenen, geheimnisvollen Lavagebilden durchwandern. Leider ist das Wetter zum heulen.

Der Sage nach wohnen hier auch die 13 frechen Weihnachtswichtel (Gerd ist der 14.).

Kirkjan (Die Kirche). Ein großer Lavahohlraum mit dreieckigem Eingangstor und schönen Lavadetails.

Als nächstes wollen wir unbedingt auf den größten Explosionskrater Islands, der unübersehbar unweit von Dimmugorgir liegt. (Auf dem Foto unten, ragt er hinten links empor)

Der vegetationsfreie Tuffring Hverfjall ist einer der größten Explosionskrater der Welt.
• 2800 Jahre alt
• 1000m im Durchmesser
• 160m hoch und 140m tief

Oben pfeift uns ein eisiger Wind entgegen.

Wäre das Wetter besser, hätte man von hier oben sicher einen superschönen Blick auf das ganze Myvatngebiet. Mit seinen vielen Pseudokratern und 50 kleinen Inseln, gleicht der 40km² große See einer skurilen Mondlandschaft.
Der Myvatn (Mückensee) ist an der tiefsten Stelle 4m, im Durchschnitt aber nur 1,0 bis 2,5m tief.
Durch viele warme Zuflüsse ist er auch etwas wärmer als normale Seen.
Am Fuße des Hverfjall sammeln wir Pilze. Hier stehen ganze Pilzfelder ´rum.
Ziemlich kaputt kehren wir um 20.30Uhr auf den Zeltplatz zurück.
Im Kochzelt essen wir mit dem Tübinger Pärchen Abendbrot. Es gibt Reis mit roten Bohnen und Pilzen. Als wir 22.00Uhr das Zelt verlassen um ins Bett zu gehen, ist es sogar mal richtig dunkel.

13.Tag in Island / Mittwoch

(10km per Rad ins Myvatn Nature Bath und per Bus zurück nach Akureyri)

Heute gönnen wir uns einen Entspannungstag !!
Wir stehen 8.00Uhr auf, packen alles ein und beladen die Räder.
Im Kochzelt frühstücken wir gemütlich Rührei !!

10.00Uhr radeln wir die wenigen Kilometer bis zum "Nature Bath Myvatn". Unser Bus, der uns zurück nach Akureyri bringen soll, fährt erst 15.30Uhr.
-> Genug Zeit, um im warmen Wasser und in der Sauna zu entspannen !!

Pünktlich, wie wir Deutschen halt so sind, stehen wir an der Bushaltestelle.
Die Räder sind vorbereitet (abgepackt und Vorderrad ausgebaut) und wir schlecken noch genüsslich ein leckeres Milcheis.

Die letzten Fotos vom Myvatn aus dem Bus.
Leider war uns nicht ein einziger schöner Tag in diesem mystischen Seengebiet vergönnt. Schade !!

Schon nach 1 1/2 Stunden erreichen wir nach straffer und verregneter Busfahrt die Hafenstadt Akureyri.

Das Wetter in Akureyri ist zum Glück etwas schöner.
Also besuchen wir auf dem Weg, zum uns schon bekannten Zeltplatz, den schön angelegten botanischen Garten von Akureyri.
Fakten:
* der nördlichste botanische Garten der Welt
* 1912 gegründet
* hier wachsen ca. 430 einheimische und 6000 ausländische Pflanzen
* alter Baumbestand

Bereits 21Uhr kriechen wir in die Schlafsäcke, denn morgen früh 8.30Uhr fährt unser Bus nach Reykjavik.

14.Tag in Island / Donnerstag

(mit dem Bus nach Reykjavik und per Rad 53km durch bzw. aus Reykjavik raus)

6.15Uhr aufstehen und packen ... gähn !!
Bustickets kaufen (24300ISK - Teuer! Aber wir sind auch von 8.30 bis 15Uhr unterwegs.)
Eigentlich unüblich für Island, versprach uns der Wetterbericht Sonnenschein für den südlichen Landesteil. Erfahrungsgemäß ist nämlich das Wetter im Norden besser.
Aber wie immer ..., bei uns ist alles anders !!
Während der Busfahrt bieten sich fantastische Ausblicke bei tollem Wetter.

Im Hintergrund leicht zu sehen: Der Gletscher Snaefellsjökull (über 100km entfernt)

Bei 8°C und Wolken gestartet, bei 18°C und strahlendem Sonnenschein angekommen. Natürlich wollen wir heute die Hauptstadt Island´s besichtigen.
Als erstes radeln wir zur Hallgrimmskirche mit dem 75m hohen Glockenturm.
Die Säuleformen am Äußeren der Kirche, sind den natürlichen Basaltsäulen nachempfunden.

Per Lift, geht es hoch in den Glockenturm. Es bietet sich eine fantastische Aussicht.

Die Statue des Entdeckers Leifur Eiriksson.

Auf dem Bild oben rechts: Perlan (Glaskuppel auf dem Heißwassertank der Stadt)
Mit den gespeicherten 20Mio. Liter heißem Wasser werden Häuser, Schwimmbäder und sogar einige Straßen beheizt.

Da strahlt der Gerd !!!
Natürlich essen auch wir, wie tausend andere Touristen und Einheimische, an der billigsten Hotdog-Bude Island`s. Eine Goldgrube für den Inhaber.
Auswahl: Hotdog 280ISK / Cola 200ISK

Vom Hafen aus, führt uns der Küstenradweg rund um die Halbinsel Seltjarnarnes.
Vorbei am Leuchtturm Grótta und dem Naturschutzgebiet am See Bakkatjörn.

Wir erleben einen tollen Sonnenuntergang.

Reykjavik läßt uns, im wahrsten Sinne des Wortes, nicht mehr los.
Es wird langsam dunkler, und wir finden nicht den richtigen Weg aus der Stadt, denn zelten müssen wir außerhalb.

Erst nach mehrmaligem hilflos abbiegen und verfahren, finden wir zurück auf die Fernstraße 41, die uns aus Reykjavik führt. Auf der Straße 42 wollen wir dann in den Süden der Halbinsel Reykjanes.
Aber erstmal gilt es, im Halbdunkeln noch einen schönen Übernachtungsplatz zu finden.
Gar nicht so leicht, inmitten eines riesigen Lavafeldes.

Eine Fisch-Trocknungs-Anlage, ... ein Duftereignis der besonderen Art !!


15.Tag in Island / Freitag

(39km per Rad von Reykjavik bis Grindavik)

Trotz, daß wir erst 23Uhr einen geeigneten Zeltplatz gefunden hatten, waren wir mit diesem vollauf zufrieden. Schlafen auf einer 30cm hohen Moosschicht, heißt schlafen wie im Wasserbett !!

Bis 9.30Uhr geniesen wir den Schlaf auf der weichen Moosmatraze.
Ohne zu frühstücken, starten wir 10Uhr.
Aber nach 500m mußten wir wieder leiden, ... Holperpiste und knackig bergauf.
Kurze Zeit später bietet sich uns ein toller Blick auf den nur 10km² kleinen Kleifarvatn.

Der Legende nach wohnt in diesem schwarzen See ein Ungeheuer.
Wir haben´s zum Glück nicht entdecken können !!

Auf einer kleinen Anhöhe mit Blick auf den See, kochen wir unser Mittagessen (Reis mit Tomatensauce).

Bergauf - bergab radeln wir auf der holprigen Schlaglochpiste.
Aber, wie unten auf dem Foto zu sehen, winkt schon die nächste Sehenswürdigkeit: das kleine Thermalquellgebiet Krysuvik.

Es dampft und brodelt aus kleinen Erdlöchern. Es blubbert in großen Schlammpfützen und mehrere heiße Quellen bilden dampfende Bäche.

Trotz einiger durchgeführter Bohrungen kann bisher das enorme geothermische Potential des Gebietes nicht genutzt werden. Manchmal gehen solche Versuche sogar gefährlich schief (siehe Foto). Die Dampfturbine hat dem Druck der Tiefe nicht mehr standgehalten.

Die gleiche Stelle im Oktober 1999 ->

In 20m Tiefe hat man bereits eine Temp. von ca. 200°C!

Und schon sind wir wieder auf der Strecke.

Wir biegen nach rechts auf die Straße 427,
... also Straße würde ich das nicht nennen, selbst Schlaglochpiste ist noch zu nett für diese Straße.

Auf halber Strecke kommt uns ein kleiner Mietwagen entgegen, der Fahrer hält und fragt, wie lang diese Piste wohl noch so bescheiden ist.
Wenn der im Auto schon meckert, würde ich ihm Radfahren nicht empfehlen.

Langsam entwickelt sich der Wind zu einem handfesten Sturm, der uns kaum noch geradeaus fahren läßt.

Der Sturm ist so stark, das wir die halbe Straße benötigen, und zu allem Unglück geht´s wieder ordentlich bergauf. Aber als wir den Berggipfel erklommen haben, bietet sich uns ein fantastischer Blick auf die Atlantikküste.
Und, wir sehen das erlösende Ziel, den Fischerort Grindavik.

Die ganze Nacht hat der Sturm gewütet. Wir waren froh, unser Zelt windgeschützt hinter einem Hügel aufgebaut zu haben.
Die Wäsche ist erstmalig über Nacht getrocknet.

 

16.Tag in Island / Samstag

(29km per Rad von Grindavik nach Keflavik)

Sonne pur, strahlend blauer Himmel, aber immernoch extrem windig und kalt (10°C).
Aber all das ist egal, denn heute ist ein Wellnesstag angesagt.
Wir wollen in die "Blaue Lagune" !!

Der Weg dorthin führt uns 8km durch eine faszinierende Lavawüste.

Die Blaue Lagune / Bláa Lónid

Das Bad ist eigentlich der Abwassersalzsee des geothermischen Kraftwerkes Svartsengi.
Die natürliche Wassertemp. von 240°C wird erst zum heizen von Süßwasser in Rohrleitungen genutzt und mit einer Restwärme von 38°C wird des mineralhaltige Quellwassers ins Freibad geleitet.

Wir mit einer hautberuhigenden Silicat-Schlamm-Packung.

Als wir 18.00Uhr entspannt das Bad verlassen, kommt langsam Wehmut auf. Denn unsere Reise ist fast vorbei und wir haben nun unseren letzten Streckenabschnitt vor uns -> zurück nach Keflavik.

Heute abend wollen wir unbedingt noch den "Alex" erreichen, aber der starke Gegen- und Seitenwind macht´s uns nicht gerade einfach.

Ziemlich abgekämpft machen wir zwei windgeschützte Zwischenstops.

Erst 21Uhr erreichen wir unser Endziel "Alex" in Keflavik.
Mit geübten Handgriffen bauen wir das letzte mal unser kleines Zelt auf.
Im Pavillion essen wir Abendbrot. Es gibt Reis mit indischer scharfer Sauce und wir können endlich mal wieder richtig am Tisch speisen. Ein kleiner Luxus.

17.Tag in Island / Sonntag

(15km per Rad, Rundfahrt Keflavik und Umgebung)

Die ganze Nacht hat der Sturm am Zelt gerüttelt und uns war eisekalt, auch am morgen sieht das Wetter nicht besser aus. Aber den ganzen Tag im Zelt hocken? Das kommt nicht in Frage!!

Ohne Gepäck machen wir eine Rundtour durch Keflavik.
Als erstes geht´s zum Hafen.

Wir besuchen die bekannte isländische Märchenfigur "Die Riesin". (Zum Glück schläft sie gerade !!)
Ihr schiefes Steinhaus steht am Rande des Hafens.

Keflavik wirkt auf uns wie eine ausgestorbene, amerikanisch angehauchte Hafenstadt.
Aber die Stadt wächst wirtschaftlich unaufhörlich in Richtung Reykjavik.
Als 2006 die Amerikaner aus ihrer Airbase abzogen, verloren 900 Einwohner ihre Arbeit, doch das Aluminiumwerk vor Reykjavik brachte neuen Aufschwung.

Mit angenehmen Rückenwind radeln wir nach Innri Njardvik zu einem alten Fischerhaus aus dem 19.Jahrhundert in Grassodenbauweise. Im Grassodenhaus können wir uns ein Bild machen, wie die Isländer früher lebten.

Kurzer Abstecher ins Wikingermuseum.

Langsam sollten wir uns aber auf den Weg zurück zum Zeltplatz machen.
Wir müssen ja noch packen, Fahrräder zerlegen und in den Kartons verstauen.
Aber vorher haben wir noch was Besonderes vor !!

Zwei Tuborg-Biere !!! (für je 6€)

Nach dem Bier haben wir ´ne totale Hacke!!
Zum Glück haben wir die 3 Museen im roten Duus Hús schon vorher besichtigt.

- das Schifffahrtsmuseum mit unzähligen Schiffsmodellen und Schiffsequipment
- das Kunstmuseum mit Bildern und Skulpturen skandinavischer Künstler
- das Heimatkundmuseum mit vielen interessanten Infos über die amerischanische Airbase

Als wir 16Uhr den Zeltplatz erreichen, freuen wir uns riesig auf unser "Mittagessen".
Es gibt Reis / Spaghetti mit Blumenkohl - Tomaten - Sauce.
Kurz: Es gibt alles was wir noch haben.

Wir genießen in aller Ruhe unsere Henkersmahlzeit mit der Zeltplatzmieze.
Zum letzten mal trinken wir Kaffee aus heißem Schwefelwasser. (Der wird uns nicht fehlen!)

Dann geht´s ans packen.
18.30Uhr ist auch das erfolgreich beendet und nun warten wir, bis uns der Schuttlebus auf den Flughafen bringt.
Sperrgepäck aufgeben, einchecken und wieder warten, denn unser Flugzeug verläßt erst 1.35Uhr den Flughafen Keflavik.

7Uhr zurück in Berlin.
Jetzt geht´s nach Hause !!

Urlaubsfazit: 800km-Radtour, leider mit sehr durchwachsenem Wetter.

Aber: Ein Gruß zurück nach Island !! Ein faszinierendes Land mit ursprünglicher, rauher Natur !! Wir werden uns sicher wiedersehen !!

 

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